Projekt S9+ Webtop

Die 48-Stunden-Saga: Vom ausgemusterten Smartphone zum High-End Cluster-Node

~ 1,2 Watt

Stromverbrauch (Standby)

8 Kerne

Exynos Rechenleistung

100% Autark

Integrierte USV & Speicher

Tag 1: Die Vision

Der Startschuss & USB-Tunneling

Die Grundidee war radikal: Warum teure x86-Server im Leerlauf verglühen lassen, wenn ein ungenutztes Samsung Galaxy S9+ mit kraftvoller Octa-Core-Architektur, integrierter Batterie (USV) und schnellem UFS-Speicher bereitliegt? Das Ziel: Ein digital souveräner Edge-Server für die Hosentasche.

Der erste Schritt war die Einrichtung eines stabilen ADB-USB-Forwardings auf dem Linux-Mint-Laptop, kombiniert mit einer automatisierten Steuerung per Bash-Skript, um SSH-ZUGANG (Port 8022) und Grafik-Spiegelung via scrcpy auf Knopfdruck bereitzustellen.

Tag 1 & 2: Die Paket- und VNC-Saga

Die Stolpersteine der Android-Architektur

Wer Großes baut, fängt sich Fehler. Beim Versuch, eine vollständige Desktop-Umgebung (XFCE4) und noVNC zu installieren, gerieten wir in eine epische Troubleshooting-Schleife:

  • Das Ebenen-Missverständnis: XFCE- und Grafikpakete landeten zuerst fälschlicherweise auf der nativen Termux-Ebene statt im PRoot-Debian-Subsystem.
  • Der TigerVNC-Konflikt: Beim Startversuch blockierte ein mürrisches Perl-Wrapper-Skript mit Rechte-Fehlern in der ungerooteten PRoot-Umgebung:
    vncserver: Could not migrate /root/.vnc to /root/.config/tigervnc
  • Das noVNC-Suchspiel: Debian entpuppte sich als Versteckkünstler. Weder novnc_server noch novnc_proxy wollten als globale Befehle starten. Das Paket lieferte schlichtweg kein fertiges Startskript mit.
Tag 2: Der Durchbruch

Der Deep-Tech-Bypass & Webtop-Sieg

Die Lösung war klassisches Admin-Handwerk: Wenn die offiziellen Skripte unter PRoot versagen, feuert man sie und spricht die Binaries direkt an. Wir bauten das Startskript radikal um:

  1. Der kaputte VNC-Wrapper wurde komplett umgangen. Wir starteten den nackten Grafikserver Xvnc direkt über die Passwortdatei.
  2. Das noVNC-Skriptchaos wurde gelöst, indem wir den zugrundeliegenden Python-Netzwerkübersetzer websockify direkt installierten und manuell auf die noVNC-Webdateien ansetzten.
  3. Der Clou für Android: Da Android Hintergrundprozesse aggressiv killt, ließen wir websockify im Skript-Vordergrund blockieren. Dadurch bleibt der PRoot-Container dauerhaft verankert, während Termux:Boot das gesamte Konstrukt nach jedem Handy-Neustart unzerstörbar im Hintergrund hochzieht.

Das Endergebnis: Ein voll funktionsfähiges, isoliertes Linux-Webtop mit Terminal und Firefox, das nativ auf dem Handy rendert und auf dem Laptop oder dem FriendlyElec R5C-Cluster rein über den Webbrowser bedient werden kann. High-End-Self-Hosting bei minimalen 1,2 Watt!